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Be careful, watch out! PDF Drucken
Geschrieben von: Benjamin Svensson   

„Man denkt immer, das ist so weit weg, und dann steht da einer vor einem, der das alle miterlebt hat", sagt eine Neuntklässlerin nach dem Zeitzeugengespräch mit Guy Stern. Neunzig Minuten hat der fast hundertjährige Germanistikprofessor aus Detroit SchülerInnen der Klosterschule aus seinem Leben erzählt. Und das ist außergewöhnlich: In Hildesheim als Günther Stern geboren, wird der fußballbegeisterte Junge 1937 zu einem Onkel in die USA geschickt. Immer stärker war er als Sohn deutscher Juden Ausgrenzung und Gewalt ausgesetzt.
Der älteste Sohn der Familie soll die Verwandten nachholen, was ihm nicht gelingt. Als Kellner verdient er Geld, um studieren zu können, und meldet sich nach Pearl Harbor zu einer Spezialeinheit der US-Army. „Diesem Krieg, der mich meiner Familie beraubt hat, musste ich angehören", beschreibt er seine Motivation.
Trotz des ernsten Themas macht Guy Stern, während er erzählt, Späße mit den Jugendlichen, läuft durch die Reihen und spricht immer wieder direkt mit dem Publikum.
Nach neun Wochen Ausbildung wird er als Teil der sogenannten „Ritchie Boys" erst nach England und kurz nach dem D-Day nach Frankreich verlegt. Auf einmal war der Ernstfall da. „Angst hatten wir alle", verrät er, denn niemand wusste, was die Deutschen mit einem jüdischen US-Soldaten tun würden, sollte er in Gefangenschaft geraten. Vor dem Einsatz wird er aber noch schnell eingebürgert. Endlich habe er, dem in Deutschland die Staatsbürgerschaft entzogen worden war, wieder einen Platz gehabt, berichtet er. Er und die andere Exilanten hatten während der Zeremonie Tränen in den Augen. „Ich wurde amerikanischer Patriot", erzählt er.

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Guy Stern befragte, mit Sprache und Kultur bestens vertraut, deutsche Kriegsgefangene und versuchte, durch geschickte Gesprächsführung herauszufinden, wo die deutschen Truppen waren, wo Minen gelegt worden waren und welche Pläne die deutsche Kriegsführung hatte.
Als der Krieg im Mai 1945 gewonnen war, suchte Stern seine Familie, fand aber niemanden mehr. Die Stadt seiner Kindheit war eine Ruinenlandschaft, die Eltern verschollen. Erst vor einigen Jahren entdeckte seine Frau seine Eltern auf Aufnahmen der Deportation der Hildesheimer Juden. Er selbst hat sich die Bilder bis heute nicht angesehen.
Er sei kein Experte für deutsche Innenpolitik, bekennt Stern am Ende seines Vortrags. Dennoch: Die Aussage Angela Merkels, Hass und Antisemitismus habe in Deutschland keinen Platz, sei „ein Wunsch und keine Tatsachenbeschreibung." Er habe erlebt, wie schnell ein Land in die Barbarei abgleiten könne. Und so schließt er mit einer Aufforderung an die nachwachsende Generation: „Die Demokratie ist ein zartes Gebilde! Passt auf!"

Das Hamburger Abendblatt berichtete ebenfalls in diesem Artikel über die Veranstaltung.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 12. Juni 2018 um 09:36 Uhr
 
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